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  • Manfred Eschenbacher bei seinem Vortrag "Wege aus der Plastikkrise"
    Manfred Eschenbacher bei seinem Vortrag "Wege aus der Plastikkrise"

Wege aus der Plastikkrise

Vortrag von Manfred Eschenbacher

Sachsen b.A. - Bei seinem Vortrag im Gasthaus Landisch ging Manfred Eschenbacher auf die bestehende Plastikkrise ein. Dabei beleuchtete er das Problem umfassend von der Herstellung bis zur Entsorgung des Kunststoffs und zeigte Wege auf, die uns aus dieser Krise führen können.

15. Nov. 2019 –

Zu dem Abend begrüßte Philipp Schwertner, Vorstandsmitglied des Ortsverbands Lichtenau und Sachsen b.A., die Zuhörer herzlich. Im großen Gastraum des Gasthauses Landisch hatten sich knapp 40 interessierte Mitbürger eingefunden, die an einem bildreichen und informativen Vortrag teilnahmen.

"Die Geschichte von Plastik beginnt Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Entwicklung von Duroplast und Zelluloid. Die eigentliche industrielle Fertigung von Plastik begann mit der Polymerchemie, die maßgeblich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland entwickelt wurde", begann Manfred Eschenbacher seinen Vortrag mit einem historischen Rückblick.

Für die Herstellung von Plastik ist Erdöl hauptsächlich der Ausgangsstoff, welches in der Raffinerie zuerst destilliert wird. Dabei entsteht neben Diesel und Heizöl auch Rohbenzin, welches in einem Cracker weiter aufgespalten wird. Mit den dabei gewonnenen Kohlenwasserstoffen kann der Kunststoff zum Beispiel mittels Polymerisation hergestellt werden. Nach der Zugabe von Farbstoffen, Weichmachern und weiteren Additiven kann Plastik schließlich in Form eines Granulats, eines Pulvers oder in Plattenform an die verarbeitende Industrie verkauft werden. Da dieser Herstellungsprozess sehr energieintensiv ist, trägt allein nur die Plastikproduktion derzeit zu zehn bis dreizehn Prozent zum weltweiten CO2-Ausstoß bei.

„Ich möchte Kunststoffe heute nicht mehr missen“, so Eschenbacher weiter, „In meinen Laufschuhen und meiner Funktionskleidung sind sie zum Beispiel in Form von GORE-TEX total super, denn sie sind wasserabweisend, leicht und strapazierfähig.“ Doch die Plastikproduktion hat weltweit extreme Züge erreicht: Fast die Hälfte allen jemals hergestellten Kunststoffs wurde allein in den letzten 20 Jahren hergestellt. Die Gründe hierfür sind vor allen Dingen das globale Bevölkerungswachstum, der steigende private Konsum und die Veränderung von Produkten, Lebensstil und Konsumverhalten. Dass Kunststoffe immer dort problematisch sind, wo sie als Produkt für den Einmalgebrauch hergestellt werden, zeigte der Referent beispielhaft und eindrucksvoll: „Fast 60% aller Kunststofferzeugnisse sind kurzlebige Produkte, also zum Beispiel Verpackungen, Gebrauchswaren und einfache Textilien. Allein die jährliche Einwegflaschenproduktion in Deutschland reicht 13 Mal von der Erde bis zum Mond.“

Im weiteren Verlauf des Vortrags ging Manfred Eschenbacher auf die Gesundheitsgefahren ein, die für Mensch und Tier von Mikro- und unsichtbarem Nanoplastik sowie von verwendeten Zusatzstoffen ausgehen. So ist der Einsatz von Mikro- und Nanoplastik in Kosmetik in vielen Ländern bereits verboten — in Deutschland wird dagegen auf den freiwilligen Verzicht durch die Industrie gesetzt. Der in vielen Alltagsprodukten enthaltene Plastikweichmacher Bisphenol A (BPA), welcher in einem Urteil des EU-Gerichts vom Juli 2019 als "besonders besorgniserregender Stoff" eingestuft wurde, hat "reproduktionstoxische Eigenschaften", weil er sich auf den Hormonhaushalt auswirkt und damit die Fruchtbarkeit beeinträchtigt.

„Doch es gibt Wege aus der Plastikkrise“, schlussfolgerte der Redner, „wenn Verbraucher, Handel, Industrie und Politik sich gemeinsam engagieren.“ Vom Einsatz von Bioplastik und mehr echtem Recycling, über die Stärkung von Mehrweg- und Kreislaufsystemen, dem Abbau falscher Subventionen und dem wirksamen Vorgehen gegen Wegwerfartikel, bis hin zum Ändern von Gewohnheiten sowie der Überwindung der Bequemlichkeit, können alle Beteiligten etwas beitragen. Es gibt bereits gute Ansätze, die Eschenbacher beispielhaft aufzählte. Entscheidend sei aber vor allen Dingen, dass Jeder bei sich selbst anfängt und — ohne sich zu überfordern — seine persönliche Plastikwende einläutet. Wichtige Fragen, die dabei helfen können, ein Bewusstsein für ein Leben mit weniger Plastik aufzubauen, sind zum Beispiel „Brauche ich das?“, „Wie oft nutze ich das?“, „Wie wurde das hergestellt?“ und „Was passiert damit, wenn ich es nicht mehr nutze?“. Auf diesem Wege erkennt man schnell den „wahren“ Preis eines Produkts und lernt Langlebigkeit und gute Qualität schätzen.

Dass man mit seinem persönlichen Engagement nicht allein ist, wird deutlich wenn man sich vernetzt und gemeinsam aktiv wird. So fanden sich bei der abschließenden Diskussionsrunde unter den Zuhörern viele Stimmen, die über ihren persönlichen Einsatz und ihre Erfahrungen berichteten. „Oft wird man seltsam angeschaut, wenn man mit eigenen Tupperdosen einkaufen geht“, berichtete eine Sächsin, „aber so kann ich Wurst und Käse direkt von der Theke ohne extra Plastik- und Papierverpackung mitnehmen. Zu Hause hätte ich diesen Müll dann nach dem Einkauf sowieso gleich weggeworfen.“ Weitere Teilnehmer berichteten von der Verwendung von fester Seife anstatt Shampoo und Duschgel aus Plastikflaschen zur Haar- und Körperpflege oder davon, dass sie Getränke nur noch aus Metall- und Glasflaschen trinken. Der Abend klang in lockerer Runde im Gasthaus Landisch aus — viele Zuhörer konnten neue Ideen und Eindrücke mit nach Hause nehmen.

P. Schwertner

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