Völlig unverständliche Entscheidung

Kommentar zur Absage des Fränkischer Sommer

09.07.21 –

Kreisverband. Seit März vergangenen Jahres stecken die Kulturschaffenden des ganzen Landes finanziell extrem zurück, um die Gesundheit aller zu schützen. Sowohl die Bundes- als auch die Landesregierung hat ihnen dabei wieder und wieder gezeigt, wie wenig ihre Arbeit der Gesellschaft wert ist. Trotz Berufsverbot kamen Hilfen kaum an, wurden versprochene Rettungssschirme nicht oder nur mit monatelanger Verspätung ausgezahlt. Oder im Nachhinein wieder zurückgefordert, weil sich Regelungen geändert hatten. 

So weit, so schlimm für diejenigen, die von ihrer Kreativität leben. Und für das Publikum, das Denkanregungen und den öffentlichen Diskurs über gesellschaftliche Fragen durch die Kunst genauso vermisst wie Unterhaltung. 
Und jetzt setzt der Bezirk sehr kurzfristig so einfach das Musikfestival Fränkischer Sommer ab – aus organisatorischen Gründen. 

„In der Kulturbranche findet seit Monaten ein Brain Drain statt – gut ausgebildete, hochkompetente Menschen verlassen die Kulturszene und suchen sich wo auch immer möglich andere Berufe. Es ist anzunehmen das nur Wenige zurückkehren werden.“ so Lisa Renz-Hübner, Sprecherin für Kultur des Ortsverband Ansbach.

Da werden personelle Löcher gerissen, die so schnell auch vom Nachwuchs nicht gefüllt werden können, denn die Bereitschaft einen Beruf in Bayerns (nach Bruttowertschöpfung gemessen) drittgrößter Branche aufzunehmen oder zu erlernen, nimmt seit der herabwürdigenden Behandlung speziell der selbstständigen Kulturschaffenden spürbar ab.

Die derzeitigen Lockerungen der Pandemiemaßnahmen kommen indessen noch längst nicht bei allen Künstler:innnen an. In vielen Bereichen werden derzeit nur verlegte Konzerte von 2020 nachgeholt, bis weit in 2022 hinein sind neue Buchungen speziell für Konzerte nur schwer möglich. Zu unsicher ist die Lage, zu viele Termine noch mit Nachholterminen aus den Pandemiejahren belegt, zu wenige Menschen dürfen zu kulturellen Veranstaltungen kommen. 

„Dass vor diesem Hintergrund vom Bezirk der Fränkische Sommer für alle Beteiligten komplett abgesagt wird, ist speziell Künstler:innen gegenüber eine völlig unverständliche Entscheidung.“ so Renz-Hübner, Listenkandidatin zur Bundestagswahl.

Als Gebietskörperschaft des öffentlichen Rechts den Menschen, die so lange unter den Maßnahmen gelitten haben, die wenigen aktuellen Verdienstmöglichkeiten zu nehmen, ist für die Betroffenen eine unverhältnismäßig harte Maßnahme und ein falsches Signal an die Beschäftigten in der Kultur – immerhin genausoviele wie in der Automobilindustrie. 

Jede Schwächung dieser Branche schwächt eine wichtige regionale und lokale Wertschöpfungskette – in unserem Kulturstaat Bayern. Die Honorare und Gagen gehen außerdem grundsätzlich dabei nicht an internationale Konzerne, sondern an Kleinunternehmer und den Mittelstand. Geld, das auch vor Ort versteuert und ausgegeben wird.

Diese Branche zu fördern und zu unterstützen ist nicht nur in Pandemiezeiten ein Merkmal kluger Wirtschafts- und Kulturpoltik. Vor diesem Hintergrund appelieren wir GRÜNEN dringend an die Verantwortlichen, sich ihrer Verantwortung auch bewusst zu sein und künftig entsprechend zu handeln.

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