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Bündnis 90/Die Grünen

in Stadt und Landkreis Ansbach

  • Unsere Bundestagskandidat Dr. Herbert Sirois bei der Mahnwache anlässlich 10 Jahre Atomkatastrophe Fukushima

Rede anlässlich der Mahnwache 10 Jahre Fukushima

Ansbach, Martin-Luther-Platz

11. Mär. 2021 –

Die Ansbacher Grünen haben anlässlich des 10. Jahrestages der Atom-Katastrophe von Fukushima (Japan) am 11.März 2011 eine Mahnwache veranstaltet zu der ich einladen war. Meine Rede hier zum nachlesen:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

für mich ist die Frage des Atomausstiegs eine Frage der Vernunft, die im Augenblick leider nicht die gebührende Aufmerksamkeit erfährt.

In der amerikanischen Zeitschrift „Bulletin of the Atomic Scientists“ hieß es im Januar 2020: Es ist 100 Sekunden vor zwölf. Damit rückt nach Ansicht der US-Wissenschaftler die Menschheit bereits ohne Coronakrise so nah wie nie zuvor an eine selbstverursachte globale Katastrophe heran – ein Urteil, das aufschrecken könnte, war doch der Stand auf der seit 1947 bestehenden „Weltuntergangsuhr“, der sogenannten „Doomsday Clock“, selbst in den schwierigen Phasen des Kalten Kriegs niemals so alarmierend nah am Armageddon. Zwei gleichzeitig wirkende existenzielle Bedrohungen werden für diesen Befund verantwortlich gemacht: der Klimawandel und ein möglicher Atomkrieg. Die Aussage der amerikanischen Wissenschaftler ist dabei Ausdruck der Besorgnis hinsichtlich des bisherigen Versagens der internationalen Gemeinschaft, diese zentralen Herausforderungen gemeinsam und wirksam anzugehen – eine Besorgnis, die angesichts nationaler Unzulänglichkeiten, aktueller Abschottungstendenzen und damit verbundener mangelhafter internationaler Zusammenarbeit von besonderer Aktualität ist. Noch in den 1980er Jahren führten die atomare Bedrohung im Kalten Krieg und die Erfahrung von Tschernobyl (1986) zu einer beispiellosen zivilgesellschaftlichen Mobilisierung gerade hier bei uns in Deutschland. Heute, 10 Jahre nach dem Supergau von Fukushima, wird die kombinierte Gefahr, die sich aus der zivil-militärischen Nutzung der Nuklearenergie ergibt, fälschlicherweise von vielen lediglich als theoretische Bedrohung gesehen. Dies ist eine klare Fehleinschätzung, da ein Atomunfall in einer zivilen Anlage jederzeit möglich ist, was die Vielzahl von Störfällen in den aktuell über 440 Atomkraftwerken weltweit belegt. Zur Erinnerung, allein unser direkter Nachbar Frankreich betreibt 18 Kernkraftwerke mit 56 Reaktorblöcken und weltweit sind bis 2050 100 neue Atomkraftwerke geplant. Parallel zu dieser Entwicklung bauen die bestehenden Atomwaffenstaaten ihre Arsenale aus und erwägen sogar den Ersteinsatz in regionalen Konflikten. Die Nichtverbreitung von Atomwaffen hat zudem empfindliche Rückschläge erlitten. Länder wie Iran, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und auch Staaten im direkten Umfeld Europas, wie die Türkei, arbeiten an Atomwaffenprogrammen oder bereiten sich zumindest strategisch darauf vor. Hier schließt sich wiederum der Kreis der zivil-militärischen Koppelung des nuklearen Problems. Die genannten Staaten haben ihr militärisches Nuklearprogramm, wie der Iran, entweder unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie bereits initiiert oder planen diesen Weg. Allein Saudi-Arabien, das sich in einer Dauerkonfrontation mit dem Iran befindet, will in den nächsten 20 Jahren 16 Kernkraftwerke bauen. Die VAE haben letztes Jahr ihr erstes Atomkraftwerk ans Netz gebracht und werden diese Anlage (Barakah) zeitnah auf vier Reaktorblöcke ausbauen. Alle diese Staaten liegen in einer hochbrisanten Krisenregion und verfügen bereits über nuklearwaffenfähige Trägersysteme, was eine potenzielle Eskalationsspirale rasant beschleunigt. Sollten diese Staaten, wie dies bei Nordkorea der Fall war, über ihre zivilen Programme in den Besitz von Nuklearwaffen gelangen, sehen wir uns der realen Gefahr eines Nuklearkrieges noch in unserer Generation gegenüber.

2021 zeigt die „Doomsday Clock“ immer noch auf 100 Sekunden vor 12. Wenn wir nicht wollen, dass sich der Zeiger weiter auf unsere kollektive Auslöschung zubewegt, brauchen wir ein gesamtgesellschaftliches Aufbegehren, um den Druck auf die Politik und die Staaten zu erhöhen, sich aus der gefährlichen Nutzung der Atomenergie zurückzuziehen. Dies wird sicher kein einfacher und leichter Weg, aber mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung schaffen wir es vielleicht, den Zeiger der „Weltuntergangsuhr“ wieder auf fünf Minuten vor 12 zu stellen.

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