Moorbegehung zwischen Hirschlach und Ornbau

17.08.21 –

Klimaschutz vor Ort: der Kappelwasen bei Hirschlach

Der Kappelwasen ist ein Flachmoor zwischen Ornbau und Hirschlach. Ungefähr 300 Jahre lang wurde er für den Ertrag von Einstreu landwirtschaftlich genutzt. Dadurch ist eine einzigartige Streuwiesenlandschaft entstanden, in der seltene Pflanzen mit urigen Namen wie „Rossminze“, „Wolfsfuss“, „Engelwurz“ oder „Teufelsabbiss“ vorkommen. Helmut Altreuther vom Bund Naturschutz kennt die Tier- und Pflanzenwelt des Kappelwasens genau und kann zu so manchem Grashalm dort eine kleine Geschichte erzählen. Zum Beispiel zum Pfeifengras. Das wurde früher nicht nur für die Stallstreu, sondern auch zum Pfeifenputzen verwendet, weil seine Halme keine Knoten bilden und sehr fest und biegsam sind.

Mit diesen und weiteren Anekdoten gestaltete Helmut Altreuther unsere Exkursion zum Kappelwasen sehr unterhaltsam und anschaulich. Der Wasen wurde etwa bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts noch bewirtschaftet. Dann kam nicht nur das Pfeiferauchen allmählich aus der Mode und man gab die Flächen auf. Um ihren Streuwiesencharakter zu erhalten, stellte man sie aber 1977 unter Schutz. Seit 1980 kümmert sich der Bund Naturschutz um den Erhalt der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt und führt dort regelmäßig Mäharbeiten durch. Das Mähgut wird heute zum größten Teil in einer Biogasanlage in Hirschlach verwertet, nur ein kleiner Teil landet noch als Einstreu in einem Kuhstall.

Die Pflege des Areals hat sich insgesamt positiv auf die lokale Tierwelt ausgewirkt. Zahlreiche Insekten, Spinnen, Amphibien, Reptilien und Vogelarten, die auf Moorböden angewiesen sind, haben im Kappelwasen ein Zuhause gefunden. Dabei kommt ihnen zugute, dass die Grenzgräben, die früher der Entwässerung des Bodens dienten, heute nicht mehr funktionstüchtig sind. Der Wasserstand auf dem Gelände ist also weiterhin auf einem hohen Niveau (ca. 10-20 cm unter Flur) und garantiert, dass die Torfschicht des Kappelwasens intakt bleibt.

Das ist nicht nur gut für die Artenvielfalt, sondern auch für das Klima. Denn ein intakter Moorboden nimmt große Mengen CO² auf – oder besser gesagt große Mengen Kohlenstoff, also das C vor dem O² – und zwar pro Hektar und Jahr bis zu 15 Tonnen (vgl. https://www.bfn.de/themen/biotop-und-landschaftsschutz/moorschutz/oekosystemleistungen.html). Das passiert in erster Linie durch die Torfbildung, also den Einschluss pflanzlicher Überreste in die wasserführende Bodenschicht. Auf diese Weise wird die Zersetzung gestoppt und die kohlenstoffhaltigen Bestandteile der Pflanzen bleiben als Torf im Boden gebunden – jedenfalls wenn das Moor nicht austrocknet oder entwässert wird.

Die Bedeutung des Naturschutzes für den Erhalt unserer Moore ist also immens. Das stellte auch Dr. Herbert Sirois am Ende unserer Exkursion noch einmal klar. Flächen wie der Kappelwasen müssen weiterhin geschützt und die Zusammenarbeit mit Landwirtinnen und Landwirten gestärkt werden. Anreize statt Verbote lautet dabei die Devise. Moorschonende Landwirtschaft könnte so zu einem Zukunftsmodell für den Natur- und Klimaschutz werden. Wer jetzt schon Interesse an der Moorpflege hat, kann sich demnächst auch an der Streuwiesenmahd beteiligen. Der Bund Naturschutz sucht dafür jedes Jahr freiwillige Helferinnen und Helfer. Die nächsten Einsätze im Kappelwasen sind für September und Oktober geplant.

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