Migration im Zeichen der Gewalt - Ein kurzer Veranstaltungsbericht

14.06.16 –

Windsbach. Auf Einladung der GRÜNEN in Windsbach referierte der Historiker Dr. Herbert Sirois, Dozent für den Fachbereich Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der FAU Erlangen-Nürnberg, auf einer gutbesuchten Info- und Diskussionsveranstaltung des Ortsverbandes Windsbach zum Thema "Migration im Zeichen der Gewalt" im Saal des Landgasthofs Dorschner. "Ziel des Abends sei es", so der gerade neugewählte OV-Vorsitzende Peter Huber, "eine realistische Darstellung der Gründe und Hintergründe für die anhaltend hohe Zahl von Migranten zu vermitteln und Lösungsansätze für die damit zusammenhängenden Problemen aufzuzeigen".

Der Erlanger Historiker Dr. Herbert Sirois führte in seinem Vortrag in das vielschichtige Thema von Migration im internationalen Kontext ein. Nach Angaben der Vereinten Nationen sei die Zahl der Menschen, die vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehen, noch nie so hoch gewesen wie heute. Knapp 60 Millionen Männer, Frauen und Kinder befänden sich weltweit auf der Flucht. Der Referent führte aus, dass diese Zahlen weiter steigen werden, solange Hunger, Elend, Unterdrückung und Krieg in vielen Teilen der Welt zur täglichen Realität gehören. Millionen Hilfesuchende stehen bereits heute vor den Toren Europas, auch weil viele Fluchtgründe ihre Ursache im näheren europäischen Umfeld finden. In der Ukraine z. B. sind etwa 1,1 Millionen Menschen auf der Flucht, und allein der Krieg in Syrien ist für die Vertreibung von ca. 10 bis 12 Millionen Menschen verantwortlich, davon 7,6 Millionen Flüchtlinge im eigenen Land und knapp 3,9 Millionen, die Schutz in den Nachbarländern suchen.

Aber auch in vielen anderen Ländern kommt es zur Zeit zu tausendfachem Flüchtlingselend. Allein in den letzten fünf Jahren sind mindestens 15 neue gewaltförmige Konflikte ausgebrochen! Gleichzeitig hält die jahrzehntelange Instabilität in "traditionellen" Krisenregionen wie Afghanistan, Somalia und anderswo an, was zu einer Rückkehrer-Krise führt, denn vielen, die gerne in ihre Herkunftsregionen heimkehren möchten, ist der Weg dorthin durch Krieg und Gewalt versperrt. Trotz dieser offensichtlichen humanitären Katastrophe beschäftigt sich die europäische Politik, nachdem das Problem jahrelang möglichst ignoriert wurde, nun primär mit der Frage, wie Migration vor der eigenen Tür gestoppt werden kann. Dr. Sirois stellte fest, dass dies einer Politik der Realitätsverweigerung gleichkommt, die allerdings in den zunehmend verunsicherten Wählermilieus immer mehr Anhänger findet.

Der Referent zeigte sich überzeugt, dass eine Lösung dieser humanitären Katastrophe nur über eine mehrstufige gesamteuropäische Lösung, die unter anderem eine faire Verteilung und Finanzierung von Flüchtlingskontingenten ermöglicht, Wege legaler Einwanderung stärkt und Krisen in den Herkunftsländern bekämpft, zu lösen sein wird. Flankiert werden muss ein solcher Ansatz auch mit Druck auf Staaten wie Saudi Arabien, die im Nahen Osten konfliktverschärfend auftreten und gleichzeitig kaum zu Frieden und Stabilität beitragen. "¨Am Ende einer regen Diskussion bekräftigte Dr. Sirois nochmals sein Bekenntnis, dass nur eine funktions- und handlungsfähige Europäische Union in der Lage sein wird, Herausforderungen dieser Dimension zu meistern. Sollte aber die wahrnehmbare Schwächung der Union durch nationalistische Strömungen in den Einzelstaaten den zunehmend befürchteten Zerfallsprozess einleiten, dann werden diese schnell vor unlösbaren Herausforderungen stehen!

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