Gutes Klima – mit wenig Avocado & Co.

Klimatipp der Woche

30.08.21 –

Ansbach/Ortsverband. „Vitamine“, „Ballaststoffe“, „Gesunde Fette“, „Antioxidantien“, „Genuss ohne Reue“ – häufig ist uns gar nicht bewusst, was die Werbung bewirkt. Sie kann selbst kritische Verbraucher:innen beim Kauf stark beeinflussen. Gerade Lebensmitteltrends sind mit Vorsicht zu genießen und wer sich nachhaltig ernähren will, sollte genau hinschauen.

Kaum eine Frucht hat in den letzten Jahren einen solchen Boom erlebt wie die Avocado. So hat sich alleine in Deutschland der Import von Avocados in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht. Avocado gefüllt, Smoothies mit cremiger Avocado, süße Avocadocreme, Avocados auf Handyhüllen - Avocados sind überall. Die Frucht wurde auf den Thron der gesunden Lebensmittel gehoben. Verständlich – sie ist lecker, cremig, sehr vielseitig und tatsächlich auch gesund. Jedenfalls der Inhaltsstoffe wegen für uns, jedoch nicht für Bewohner:innen ihrer Anbauländer (vor allem Chile, Mexiko, Südafrika und Peru). Bei uns konsumierte Avocados haben eine sehr schlechte Ökobilanz: Sie haben einen großen Wasserbedarf, die weiten Transportwege aus den fernen Anbaugebieten sowie die Lagerung und Nachreifung in klimatisierten Hallen verbrauchen enorme Mengen Energie und verursachen große Mengen an Treibhausgasen.
Über die verheerenden Folgen des Avocadoanbaus wird schon seit Jahren berichtet. Hat sich seitdem der Konsum in Deutschland reduziert? Im Gegenteil, der Verbrauch steigt sogar weiter.

Problematisch sind auch andere Früchte mit hohem Wasserbedarf aus Ländern, in denen das Wasser knapp ist. Das ist beispielsweise der Fall bei:

  • Mandeln aus Kalifornien

  • Sprossen und Bohnen aus Ägypten

  • Kiwis und Orangen aus Israel

  • Obst und Gemüse aus Andalusien und Marokko

Verbraucher:innen sollten sie daher besser meiden. Und – dem Klima und der Umwelt zuliebe – stattdessen heimischem Obst und Gemüse aus der Region, der Saison und auch aus Bio-Anbau den Vorzug geben, die alles bieten, was unser Körper braucht.

Die Ananas hatte ihren Hype schon lange vor der Avocado. Im 17. Jh. hatte eine Frucht noch den Gegenwert einer Pferdekutsche! Kommt sie heute frisch und per Schiff zu uns über den Ozean geschippert, fallen laut einer Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu) 0,6 Kilogramm CO2-Äquivalent pro Kilo Ananas an (Ökologische Fußabdrücke von Lebensmitteln und Gerichten in Deutschland). Das ist keine sonderlich gute Bilanz, doch bei einer mit dem Flugzeug transportierten Ananas steigt der CO2-Ausstoß sogar auf ganze 15,1 Kilo an – so viel wie bei einer 110 Kilometer langen Autofahrt oder der Menge von rd. 75 Kilo Pfirsichen! Es lohnt sich also, im Supermarkt aufs Etikett zu schauen. Dort ist normalerweise angegeben, ob es sich um eine sogenannte Flugananas handelt.

Diese Beispiele zeigen, dass exotische Lebensmittel keine Massenware sein dürften. Dabei muss nicht der völlige Verzicht das Mittel der Wahl sein, sondern ein bewusster, nur gelegentlicher Konsum.

Worauf kann ich beim Kauf und Verzehr z. B. von Avocados achten?

  • Grundsätzlich sollten Avocados – wie auch andere exotische Früchte - die Ausnahme auf dem Speisezettel bleiben. Die rasant steigende Nachfrage führte dazu, dass heute die meisten der im Handel erhältlichen Avocados aus industriell betriebenen Plantagen stammen – mit negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt.

  • Wenn Avocados, dann aus fairem Handel und Bio-Anbau. So fördert man gerechtere Löhne für Arbeiter:innen und Kleinbäuer:innen und verringerten Pestizideinsatz im Anbau.

  • Auf die Entfernung zum Ursprungsland achten. Kürzere Entfernungen bedeuten kürzere Transportwege und geringeren Energieverbrauch. Kaufen Sie deshalb lieber die Avocado aus Spanien statt aus Kolumbien. Auf keinen Fall aus Chile – dort ist der Anbau besonders katastrophal. Flug-Avocados sind in jedem Fall eine ökologische Katastrophe: ganz gleich, aus welchem Herkunftsland sie stammen, und ganz gleich, ob sie konventionell oder biologisch angebaut wurden.

  • Keine essfertigen, vorgereiften Avocados kaufen, denn diese stammen aus einem energiehungrigen Nachreifeprozess. Da Avocados nicht lange haltbar sind, werden die nicht verkauften Exemplare dann einfach weggeworfen. Nicht vorgereifte Avocados reifen auch zu Hause bei Zimmertemperatur (nicht im Kühlschrank!) innerhalb einiger Tage, am besten zusammen mit einem Apfel in ein Tuch gewickelt.

  • Reife und angeschnittene Avocados im Kühlschrank lagern. So bleiben sie länger haltbar. Angeschnittene Avocadohäften am besten mit dem Kern zusammen in ein Bienenwachstuch wickeln.

  • Auch den Kern verwerten. Avocado-Kerne enthalten viele Vitamine, Aminosäuren und wichtige Mineralstoffe und sind somit viel zu schade, um sie einfach wegzuschmeißen. Einfach ein paar Tage trocknen, dann kleinreiben und in kleinen Mengen Smoothies, Müslis und Breien zugeben – so holt man alle wertvollen Nährstoffe aus der Superfrucht.

Beispiele zur Klimabilanz von Obst und Gemüse

CO2-Fußabdruck: 1 kg Obst / Gemüse erzeugt nachfolgend genannte CO2-Äquivalente in kg (Quelle: Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg, 2020)

  • Ananas per Schiff: 0,6 - per Flugzeug: 15,1

  • Bio-Äpfel: 0,2 - Regionale Saisonäpfel: 0,3 - Lageräpfel: 0,4

  • Äpfel aus Neuseeland: 0,8

  • Avocado aus Peru: 0,8

  • Bananen: 0,6

  • Mango: 1,73

  • Regionale, saisonale Erdbeeren: 0,3 - Frische Wintererdbeeren: 3,4

  • Pfirsiche: frisch 0,2 – in Dosen 1,6

  • Saisonale Tomaten aus Deutschland: 0,3 - passierte Tomaten in der Dose: 1,8

  • Wintertomaten aus Deutschland: 2,9

 

Quellen zum Nach- und Weiterlesen:

https://www.bund.net/bund-tipps/detail-tipps/tip/avocados-wie-super-ist-die-superfrucht/

https://www.evidero.de/avocado-klima-wasser

https://www.oekoside.de/oeko/lebensmittel-avocados.php

https://www.fairtrade-deutschland.de/einkaufen/produktfinder/produkt/fairtrade-avocados-und-mangos-von-eosta

https://www.ifeu.de/suche/?tx_solr%5Bq%5D=CO%E2%82%82-Fu%C3%9Fabdr%C3%BCcke

https://www.plantopedia.de/ananas-anbau/

https://www.iva.de/iva-magazin/schule-wissen/ananas-immer-gut-fuer-einen-hype

https://www.watson.de/nachhaltigkeit/gute%20nachricht/676593906-melonen-und-ananas-welches-obst-belastet-das-klima-am-wenigsten

 

Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es.“ (Erich Kästner)

 

Daher veröffentlichen wir jetzt jede Woche neue Tipps, wie wir zum Klima- und Naturschutz beitragen können, um jeden Tag ein bisschen die Welt zu retten.

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