Gutes Klima – bewusstes digitales Dasein

Klimatipp der Woche

02.08.21 –

Digitale Verschmutzung: So schadet das Internet dem Klima

Ansbach/Ortsverband. Surfen, Musik hören, Filme gucken … das alles können wir nahezu gren­zenlos im Internet. Die digitale Welt scheint wunderbar. Doch leider ist sie dabei nicht umwelt­freundlich. Die notwendigen Rohstoffe und Energie haben einen großen Fußabdruck. Wer also wirklich etwas für Klima und Umwelt tun möchte, sollte sein eigenes Nutzerverhalten in der digi­talen Welt hinterfragen und den eigenen digitalen Fußabdruck so klein wie möglich halten.

Vielen Nutzer:innen ist nicht bewusst, dass das Internet nicht rein virtuell ist, sondern aus einem Netzwerk von Kabeln, Rechenzentren und Servern besteht. Dieses verbraucht logischerweise eine große Menge an Strom. (Zudem geht der Rohstoffabbau für Smartphone, Tablet o.a. mit Ausbeu­tung, Kinderarbeit und Umweltzerstörung einher.)

Hier einige Zahlen zum Verdeutlichen:

In Frankreich beispielsweise verbrauchen Rechenzentren etwa 10 % des gesamten Stroms des Lan­des. In Deutschland waren es 8 % im Jahr 2014. Gary Cook von Greenpeace sagt ergänzend dazu: „Wenn das Internet ein Land wäre, würde es in der Rangliste der Stromverbraucher unge­fähr den dritten Platz belegen, also direkt hinter China und den USA.“

Tatsächlich stößt das Internet mit unserer Nutzung von Suchmaschinen und Streaming-Diensten, Senden von E-Mails sowie das Speichern von Daten mehr CO2 aus als der weltweite Flugverkehr.

So erzeugt allein das Verschicken einer einzigen E-Mail bereits 10 Gramm CO2. Dabei werden täglich Milliarden E-Mails verschickt – und davon ca. 80 % (!) nie gelesen.

Es reicht nur ein falscher Klick und plötzlich haben wir zwölf neue Newsletter abonniert, die wir nie wirklich öffnen oder beachten werden. Um dem Ganzen entgegenzuwirken, sollten wir nun allerdings nicht nur unnötige Newsletter abbestellen, sondern vor allem auch die E-Mails, die wir bereits erhalten haben und nicht mehr zwingend benötigen, löschen. Das Löschen von 30 E-Mails spart immerhin die gleiche Menge an Strom, die eine Glühbirne in 24 Stunden verbraucht.

Das Gleiche gilt selbstverständlich auch für die Daten, die wir in Clouds wie Google Drive spei­chern, denn auch diese treiben viele Server in Rechenzentren an.

Auch bei Streaming-Diensten wie Mediatheken, Netflix und Spotify ist Vorsicht geboten! Gerade die Video-Dateien verbrauchen ungemein viel Platz auf Servern und Energie bei der Übertragung - diese Dateien machen rund 80 Prozent des globalen Datenverkehrs aus.
Entscheidend für die Klimaverträglichkeit ist dabei, mit welcher Technik die Daten von den Servern zu den Nutzer:innen übertragen werden. Der Anteil der CO2-Emissionen variiert dabei laut einer neuen Studie des Bundesumweltministeriums zwischen 2 und 90 Gramm CO2 je Stunde:
Glasfaser (FTTH) 2 g - Kupferkabel (VDSL) 4 g - Mobilfunk zwischen 5 g (5G) bis 90 g (3G)

Letztendlich bedeutet das nun aber nicht, dass wir unseren Konsum von Netflix und Co. komplett einstellen sollten. Nachhaltigkeit muss nicht zwingend mit einem Verzicht verbunden sein, aber wir sollten hinterfragen, was notwendig ist oder eben nicht. Muss ich wirklich fünf Stunden an einem Abend Film oder Serien auf Netflix schauen oder versteckt sich in meinem Bücherregal doch noch ein interessantes Buch, das sehnsüchtig darauf wartet von mir gelesen zu werden? Benötige ich tatsächlich zehn Newsletter von verschiedenen Online-Shops, wenn mein Kleiderschrank sowieso aus allen Nähten platzt? Erinnern wir uns, dass die Handlung eines Einzelnen eine Auswirkung hat, wenn sich eine Milliarde weiterer Menschen genauso verhält.

Klimafreundlich im Netz unterwegs sein, das geht u. a. auch mit E-Mail-Anbietern, die Ökostrom nutzen. Posteo beispielsweise verfügt über ein umfangreiches Nachhaltigkeitskonzept, bezieht zu 100 % Ökostrom und achtet bei der Büroausstattung auf Nachhaltigkeit. Die Finanzen laufen über die sozial-ökologische GLS-Bank sowie die Umweltbank, regelmäßig wird an NGOs im Umwelt­bereich gespendet.

Die grüne Suchmaschine Ecosia spendet ebenfalls regelmäßig 80 % ihres Einnahmeüberschusses an Natur- und Umweltschutzorganisationen, was durch den Gebrauch dieser Suchmaschine unterstützt wird.

Wer die Umwelt schonen will, nutzt seine Hardware länger: Schätzungen zufolge benötigen Pro­duktion und Auslieferung eines Smartphones so viel Energie wie das Aufladen und Betreiben für ca. 10 Jahre.

Was kann ich tun? Den eigenen Konsum hinterfragen und anpassen – die Menge macht's:

  • Grundsätzlich so wenig Daten wie möglich übertragen.
  • Dateien möglichst komprimieren, Bilder verkleinern
  • Keine Videos verschicken, wenn auch ein Foto reicht
  • Uninteressante E-Mails gleich löschen; selbst nur dann E-Mails verschicken, wenn der/die Empfänger:in sie voraussichtlich lesen wird.
  • Alle Newsletter abbestellen, die ich nicht regelmäßig lesen möchte.
  • Für Daten, die ich nicht mit anderen teilen möchte/muss, lieber eine externe Festplatte benutzen als Cloud-Dienste.
  • Nicht aus Langeweile Streaming-Dienste in Anspruch nehmen – nur bei echtem Interesse an bestimmten Filmen oder Musiktiteln.
  • Nach Möglichkeit über kabelgebundene Breitbandnetze ins Internet gehen (auch für Updates!) oder über öffentliche WLAN-Hotspots statt über Mobilfunknetze.
  • Ökologisch ausgerichtete Online-Portale nutzen.

Quellen zum Nach- und Weiterlesen:

https://www.arte.tv/de/articles/die-e-mail-erzeugerin-von-treibhausgasen

https://cleanfox.io/blog/internet-verschmutzung-de/was-ist-digitale-verschmutzung/

https://utopia.de/ratgeber/streaming-dienste-klima-netflix-co2/

https://www.jetzt.de/umwelt/nachhaltigkeit-welche-auswirkungen-unsere-internet-und-computernutzung-auf-die-umwelt-haben

https://www.tuebingen.de/tuebingen-macht-blau/9840.html#/24606

https://www.bmu.de/pressemitteilung/video-streaming-art-der-datenuebertragung-entscheidend-fuer-klimabilanz/

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/2546/dokumente/factsheet_klimawirkung_video-streaming.pdf

„Jeden Tag die Welt retten“ von Julia F. Allmann, Gräfe und Unzer-Verlag 2020

 

„Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es.“ (Erich Kästner)

Daher veröffentlichen wir jetzt jede Woche neue Tipps, wie wir zum Klima- und Naturschutz beitragen können, um jeden Tag ein bisschen die Welt zu retten.

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