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Bündnis 90/Die Grünen

in Stadt und Landkreis Ansbach

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  • Landschaftsarchitektin Susanne Wolf
    Landschaftsarchitektin Susanne Wolf begrüßt die Teilnehmer auf dem Kirchenvorplatz
  • Susanne Wolf
    Susanne Wolf erklärt den Unterschied zwischen Sommer- und Winterlinde
  • Sommerlinde
    200 Jahre alte Sommerlinde
  • Trittgesellschaft
    Trittpflanzengesellschaft auf dem Marktplatz von Lichtenau
  • Kompasslattich
    Kompasslattich
  • Ahorn
    Wir begutachten einen Ahorn in der Finkenstraße
  • Friedhof
    Wir nehmen die Pflanzen auf dem Friedhof in Augenschein
  • Mauerrauke
    Mauerrauke
  • Susanne Wolf
    Susanne Wolf beendet Ihre Führung vor der Festung

Botanische Exkursionen in Lichtenau

In Lichtenau das Unbekannte im Bekannten entdecken

Markt Lichtenau – Gemeinsam mit der Landschaftsarchitektin Susanne Wolf hatten wir gleich an zwei Sonntagen im Juni, am 21. und am 28.6., ein interessantes Angebot für die Lichtenauer Bürgerinnen und Bürger. Unter dem Motto "In Lichtenau das Unbekannte im Bekannten entdecken" waren wir mit insgesamt 35 Teilnehmer mit der Pflanzenexpertin unterwegs.

01. Jul. 2020 –

Am Kirchenvorplatz der Dreieinigkeitskirche starteten unsere Exkursionen mit einer kurzen historischen Einordnung: So waren Festung und Altort des Marktes einst vollständig von der Rezat und ihren Flussarmen umschlossen – also auf einer Insel gelegen. Der auf dem Kirchenvorplatz künstlich angelegte Wasserlauf erinnere an dieses Erbe noch heute, so erklärte Frau Wolf.

Von dem neu gestalteten Kirchenvorplatz mit den gepflanzten, widerstandsfähigen Platanen ging es weiter zu einer circa 200 Jahre alten Winterlinde, die zwischen der Festung und der Holzschuherstraße steht. Am Beispiel dieses imposanten Baums erläuterte die Expertin, wie wichtig gerade der Erhalt großer Bäume für unsere Siedlungsräume ist. So spendet er kühlenden Schatten, reinigt die Luft von schwebenden Bakterien, Pilzsporen sowie Staub und feuchtet sie an. Der bei der Fotosynthese entstehende Sauerstoff deckt den täglichen Bedarf von mindestens 10 Menschen im Ort. Außerdem ist diese Linde Lebens- und Durchzugsraum für zahlreiche Tierarten.

Einige Meter weiter auf dem Marktplatz entdeckten wir die sogenannte Trittgesellschaft. Sie besteht aus 15 bis 20 Pflanzenarten, die sich in den Nischen des Kopfsteinpflasters sehr wohl fühlen. Sie schmiegen sich eng an den Boden und sind auf die Bedingungen eines Platzes, der betreten und befahren wird, spezialisiert. Zu der Trittpflanzengesellschaft auf dem Marktplatz von Lichtenau gehören zum Beispiel das Bruchkraut, die Strahlenlose Kamille und der Breitwegerich.

Direkt nach dem Stadttor führte der Weg zum „Hinterm Weiher“ vorbei an einer sterbenden Sommerlinde an der Wattenbacher Straße, die trotz ihres unvermeidlichen Todes noch immer eine wichtige Rolle für das Siedlungsklima und die Fauna spielt. Der Expertin war hier wichtig, zu erwähnen, dass die Besitzer solcher sterbenden Bäume von der Gemeinde unterstützt und dazu angehalten werden müssen, so lange es die Sicherheit zulässt, den Baum stehen zu lassen.

Immer wieder erstaunlich ist es, wie schnell sich Pflanzen auf offenem Gelände ansiedeln, selbst wenn die obere Erdschicht abgetragen wurde und der Boden darunter sehr karg ist. So gehören Falsche Kamille, Kanadisches Berufskraut, Weißer Gänsefuß und Kompasslattich mit zu den ersten, die sich auf den noch unbebauten Flächen im Wohnbaugebiet rund um die Straße „Am Storchennest“ eingefunden haben. „Sie verschwinden von selbst, wenn der Boden nährstoffreicher wird und der Vegetationsdruck durch andere Pflanzen zunimmt“, so Susanne Wolf.

Entlang der Finkenstraße und der dortigen Wegbegrünung aus Stauden und Ahornbäumen, vorbei an einer Araukarie auf einem Privatgrundstück, wies die Referentin auf einen alten Birnbaum und ein aktuelles Projekt in Stadt und Landkreis Ansbach hin. Biotopbäume wie diese sind aufgrund ihrer Seltenheit ein wertvoller Rückzugsort für Flora sowie Fauna und müssen daher besonders geschützt werden. Mit dem Birnbaum-Projekt werden alte Birnbäume in der Region gesucht, erfasst und schließlich gepflegt.

Auch der Lichtenauer Friedhof ist für Pflanzen ein sicheres Refugium. An Mauern und Steinen wachsen Mauerrauke sowie seltene Farne und wir fanden überall gelb blühenden Mauerpfeffer. Im Norden flankieren zwei eindrucksvolle Biotop-Linden das Eingangstor zum Friedhof.

Zum Abschluss gingen wir über den Stadtgraben, welchen die Anwohner in grüne Gärten verwandelt haben, und danach Am Wallgraben entlang, der mit kleinen blühenden Nischen und Ecken ein absoluter Hingucker mitten im Altort ist. „Sie haben hier im Markt Lichtenau einen sehens- und liebenswerten Schatz – nicht nur aus botanischer Sicht“, sagte Frau Wolf am Ende der Exkursion am Rosenfeld vor der Festung, „bewahren Sie sich diesen und wissen Sie ihn zu schätzen.“ Die Teilnehmer und wir konnten nach der interessanten, zweistündigen Führung Informationsmaterial sowie einen neuen, geschärften Blick auf das Unbekannte im Bekannten mit nach Hause nehmen.

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